Stellungnahme der Bundesärztekammer zum Thema „DSD“

Sitzung der IMAG am 17.02.2015

Der Vorstand der Bundesärztekammer hat in seiner Sitzung vom 30.01.2015 auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats diese Stellungnahme beraten und beschlossen.

Diese kann hier heruntergeladen werden:

Stellungnahme

Infostand auf der didacta 2015

Intersexuelle Menschen didaktisch gut

Die meisten Menschen gehen selbstverständlich davon aus, dass es nur zwei Geschlechter, nämlich das weibliche und das männliche Geschlecht gibt und dass sich alle Menschen in dieses binäre System einordnen lassen. Für die Einordnung gibt es Kriterien, die in der Regel auf dem Aussehen der äußeren Geschlechtsorgane beruhen. Dass es auch Menschen gibt, die nicht in dieses System passen, da ihre Geschlechtsmerkmale weder typisch männlich noch typisch weiblich aussehen, ist trotz einer zunehmenden Aufklärung durch die Medien noch immer vielen Menschen unbekannt.

In der Medizin wird aktuell die Abkürzung DSD verwendet, das für „Disorder of Sexual Development“ steht und mit „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ übersetzt wurde. Die Erkenntnis, dass es eine Vielzahl geschlechtlicher Daseinsformen gibt, führt dazu, dass heute die Abkürzung DSD auch von Medizinern als „Differences of Sexual Development“ gesehen und mit „Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung“ übersetzt wird.

In der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates vom 23.02.2013 heißt es unter anderem:

„Einig sind sich alle Experten darin, dass neben der Dominanz des medizinischen Diskurses der gesellschaftliche Umgang mit Intersexualität vor allem durch Nichtthematisierung gekennzeichnet ist.“
[…]
„Zur Förderung des Respekts und der Unterstützung Intersexueller in der Gesellschaft ist eine breite Wissensvermittlung erforderlich.“

Um diese Wissenvermittlung zu unterstützen, bietet unser Verein Broschüren, persönliche Schulungen und Lehrmittelunterstützung für Hebammen, Lehrpersonal, Psychologen und beratende Institutionen.

An unserem Büchertisch mit eigenen und externen Publikationen, verschiedenen Broschüren, einem Spiel, einem Film und einer Unterrichtseinheit können Sie sich genauer über unser Thema informieren und mit intersexuellen Menschen und Eltern von intersexuellen Menschen ins Gespräch kommen.

Die Programminfos für die Messe lassen sich als PDF herunterladen:

Programminfo KITA

Programminfo Schule / Hochschule

Pride Week Hamburg

Veranstaltungen von und über intersexuelle Menschen

Intersexuelle Menschen e.V. wird zur Pride Week in Hamburg wieder aktiv. Die Situation intersexueller Menschen in dieser Gesellschaft ist noch immer mit Barrieren verbunden. Barrieren laden zum Überwinden ein. Damit intersexuelle Menschen noch sichtbarer werden, finden folgende Veranstaltungen statt, die jeden angehen:

27.07.2014 | 16:00 Pride House

Clara liest aus „Mein intersexuelles Kind“

Intersexualität ist heute auf dem Weg, kein Tabuthema mehr zu sein, aber noch Lichtjahre davon entfernt, von der Gesellschaft angenommen zu werden. Das Buch wurde von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert. Im Anschluss an die Lesung mit Clara Morgen folgen eine Diskussion sowie ein menschenrechtlicher Diskurs.

Veranstalter: Arbeitskreis LSBTI bei ver.di Hamburg
Ort: Pride House, Großer Saal, An der Alster 40, 20099 Hamburg

28.07.2014 | 19:30 Pride House

Gender Bingo – Mehr als Mainstream

Viel unterschiedliche Menschen, viele unterschiedliche Erfahrungen. Teile dein Wissen und deine Erfahrungen; räume ab beim Gender Bingo mit Lucie! Du meinst, du kennst dich aus – dann stelle dich den fragen. Es hagelt Preise!

Veranstalter: Arbeitskreis LSBTI bei ver.di Hamburg
Ort: Pride House, Seminarraum 2, An der Alster 40, 20099 Hamburg

29.07.2014 | 20:30 Pride House

Gesucht wird das Genderbrain 2014 – ein Quiz mit Sektempfang

Sexuelle Identität, metrosexuell, transident, Butch und Femme, Zwitter und der ganze Gendertrouble — wer steigt da schon durch? In unserer Quizshow schlagen wir uns mit der Machete durch den Begriffsdschungel und küren das Genderbrain der Hamburger Pride Week 2014. ver.di mal andersrum – das habt ihr jetzt davon! Fragen? www.regenbogen.hamburg.verdi.de oder www.facebook.com/aklsbtiverdi.hamburg

Veranstalter: Arbeitskreis LSBTI bei ver.di Hamburg
Ort: Pride House, Bar, An der Alster 40, 20099 Hamburg

30.07.2014 | 20:00 Pride House

Das andere Bunt – Kunstaktion

Frivole Schlager der 20er Jahre, frei interpretiert von Hermaphrodit Elisabeth Müller, sich selbst am Klavier begleitend. Wir zeigen den Zeichentrick-Kurzfilm „Hermes & Aphrodite“ von Gregor Zootzky. Außerdem gibt es intersexuelle und lesbische Kunst in Wort und Bild in einer Stundengalerie mit Bildern von Lucie Veith und Ricarda Obrikat. Mehr zu diesen Themen unter: www.intersexuelle-menschen.netwww.regenbogen.hamburg.verdi.dewww.facebook.com/pages/intersexuelle-menschen-eV oder www.facebook.com/aklsbtiverdi.hamburg.

Veranstalter: SMJG-Hamburg
Ort: Pride House, Großer Saal, An der Alster 40, 20099 Hamburg

Jahreshauptversammlung 2014

vom 13.06.2014

Am 13.6.2014 fand in der Nähe von Göttingen die diesjährige Jahreshauptversammlung „Intersexuelle Menschen e.V.„ statt.

Der Vorstand hat den Bericht zum zehnten Vereinsjahr vorgelegt.

Im Jahr 2013 wurde der Verein von folgenden Krankenkassen finanziell gefördert, um die zahlreichen bundesweiten Treffen und Aktionen durchzuführen:

VDEK, AOK, DAK, KKH, BKK

Die Selbsthilfegruppen haben großen Zulauf und die Aufgaben des Vereins wachsen stetig. Dies ist nicht zuletzt auf die Reaktion der verschiedenen UN-Ausschüsse und die Reaktionen des Deutschen Ethikrates zurückzuführen.

Immer mehr intersexuelle Menschen wagen den Schritt in ein öffentliches Leben.

Der Vorstand bedankte sich ausdrücklich bei allen Helfern, Spendern und Förderern. Besondere Gäste waren aus Niedersachsen angereist. Der Landesverband Niedersachsen wird dank der niedersächsischen Landesregierung gestärkt durch eine Mittelzusage der Sozialministerin Cornelia Rundt.

Neuer Kooperationspartner des Landesverbandes in Niedersachsen ist das „Queere Netzwerk Niedersachsen. Als Vertreter des Vorstandes des Queeren Netzwerks Niedersachsen war Thomas Wilde gekommen, um über den Stand der Kooperation zu sprechen.

Der Vorstand hat sich besonders gefreut, dass auch der Referent des niedersächsischen Sozialministeriums Hans Hengelein die Gelegenheit nutzte, die Grüße der Landesregierung zu überbringen und in einem Vortrag die historischen Hintergründe in der Selbsthilfe im Bereich LSBTI darzustellen.

Die Sitzung fand statt in der AKADEMIE Waldschlösschen und der Verein dankt ausdrücklich den Organisatoren für die fabelhafte Unterstützung.

Auf dem nachfolgenden Foto ist der neue Vorstand mit den Gästen Thomas Wilde und Hans Hengelein zu sehen (sitzend v.l.).

Der Verein Intersexuelle Menschen e.V. (IMeV) wird am 17.4.2014 10 Jahre

Auf die Frage, ob denn gefeiert wird, gibt die 1. Vorsitzende* Lucie Veith in der Bundesgeschäftsstelle in Neu Wulmstorf bei Hamburg eine überraschende Antwort: „Zu feiern es gibt eigentlich wenig, denn unsere Hauptziele sind immer noch unerfüllt, immer noch werden intersexuell geborene Kinder und junge Erwachsene ohne medizinische Gründe und ohne deren Einwilligung an den Genitalien operiert, immer noch werden gesunde hormonproduzierende Organe entfernt. Das macht ratlos, denn dieses Vorgehen, stellt nach Aussagen der UN-Konvention gegen Folter eine unmenschliche Behandlung dar, die es nicht geben dürfte. Immer noch nicht sind die intersexuellen Menschen im Gedächtnis der Mehrheitsbevölkerung wieder angekommen, dabei ist jedes 2000. Kind intersexuell geboren…

Wir werden diesen Jahrestag trotzdem feiern,

weil wir leben, weil wir in den Selbsthilfegruppen der xy-frauen.de und der SHG Intersexuelle Menschen.net immer mehr Menschen vereinen, ihnen weiterhelfen. In den Elterngruppen wird gute Arbeit geleistet, unsere Onlineberatung für intersexuelle Menschen ist einmalig in Deutschland, wenn nicht in ganz Europa. Jahr für Jahr schließen sich mehr geschädigte intersexuelle Menschen sich uns an und besuchen unsere Treffen. Und dies geschieht ausschließlich von unbezahlten, unbezahlbaren ehrenamtlichen Helfern.

Das ist großartig und ein Innehalten wert.

Wir wollen auch an die Menschen denken, die nicht mehr bei uns sind.

Ein Jubiläum ist auch immer ein guter Zeitpunkt sich zu bedanken. Das wollen wir tun.

Wir danken den Krankenkassen DAK, AOK, KKH, TK, VDEK und der Barmer für die finanzielle Unterstützung, wir danken dem Deutschen Institut für Menschenrechte und dem Deutschen Ethikrat, den Expertinnen der UN-Ausschüsse, den Ländern NRW und Niedersachsen, der Stadt Hamburg für die Projekthilfen, unseren Experten im wissenschaftlichem Beirat, unseren Spendern, die einiges möglich gemacht haben. Es gibt viele Helfer im Verein, die für Beratung und Projekte zur Verfügung stehen. Großartige Menschen, die  all ihre Kraft in eine Arbeit geben, die sonst nicht geleistet werden würde.

Gegründet wurde IMeV von Teilnehmer_innen der Selbsthilfegruppe XY-Frauen. Diese Selbsthilfegruppe entstand 1997auf Initiative von vier intersexuellen Menschen. Allen war gemeinsam, dass sie mit einer Besonderheit der geschlechtlichen Entwicklung geboren waren, alle vier waren Opfer systematischer Entfernung ihrer hormonproduzierenden Organe geworden. Niemand von ihnen war aufgeklärt über das eigene Sein und alle Teilnehmer_innen waren xy-chromosomal, waren zu „Mädchen“ gemacht, hatten einen weiblichen Personenstand und hatten in ihren Familien und auch im Bereich der Medizin ein Schweigen erlebt, das ohne Beispiel ist. Sie bildeten eine Gruppe schwer geschädigter Menschen, die zum Teil schon als Kleinkind der Illusion zum Opfer gefallen sind, man könne Geschlecht anerziehen und ein Kind habe keine Erinnerung an das, was es vor dem 24. Lebensmonat erlebt hat. Zu den irreversiblen Schäden zählen die Zerstörung ihrer Genitalen und die schönheitschirurgische Herstellung eines Normgeschlechtes. Seit der sogenannten Consensus-Konferenz 2004 in Chicago werden sie als „Kinder mit DSD“ benannt.

Intersexuelle Menschen, die sich selbst als Intersexuelle, Hermaphroditen, Inter* oder Zwitter bezeichnen – in der Medizin als Kinder mit DSD (Disorders of Sex Development) benannt – wurden und werden in unserer Gesellschaft, die nur „Männer“ und „Frauen“ anerkennt, juristisch, politisch und sozial unsichtbar gemacht. Als „abnormal“ klassifiziert, werden ihre gesunden Körper zum medizinischen Notfall erklärt: Ohne Einwilligung der intersexuellen Menschen werden in der Regel im Kindesalter kosmetische Genitaloperationen an ihnen vollzogen, um das Genital zu „vereinheitlichen“. Dabei wird in Kauf genommen, dass das sexuelle Empfinden vermindert oder gänzlich zerstört wird.

Menschen mit einer Besonderheit der geschlechtlichen Entwicklung sind ein Teil unserer Gesellschaft und haben als gleichberechtigte Bürger ein Recht auf freie Entfaltung und Entwicklung sowie auf gleichberechtigte Teilhabe am Leben. Seit dem 1.11.2013 ist im Personenstandsgesetz geregelt: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen“ (§ 22 Abs. 3 PSTG). Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Regelung Kinder vor Diskriminierungen und medizinischen Eingriffen wirksam schützt.

Es ist Bewegung in die Diskussion gekommen, nicht zuletzt dank der Betroffenenvereinigungen. Seit den frühen 1990er Jahren protestieren einzelne intersexuelle Menschen gegen die Misshandlungen. Sie haben sich in Selbsthilfegruppen organisiert und sich wegen der fehlenden Erwachsenmedizin für Opfer dieser Eingriffe selbst zu Spezialisten in eigener Sache fortgebildet. Und sie machen Druck.

Ein wichtiger Akteur ist der Verein Intersexuelle Menschen e.V. (IMeV), der seit nunmehr zehn Jahren besteht.

IMeV erbringt für intersexuelle Menschen und ihre Familien folgende Leistungen:

– Unterstützung, Finanzierung, Förderung und Ausbildung von Selbsthilfegruppen

– individuelle Beratung, Unterstützung und Hilfe in schwierigen Lebenssituationen

– Förderung und Unterstützung der Selbsthilfe von Eltern mit intersexuellen Kindern

– Kooperation mit anderen Initiativen und Verbänden mit gleicher oder ähnlicher Zielsetzung

– Beratung, Fort- und Weiterbildung politischer, gesellschaftlicher und medizinischer Einrichtungen

– Aufbau eines Netzes von Selbsthilfe- und Beratungsstellen in Deutschland

– Weitergabe besonderer Expertise intersexuelle Lebensentwürfe betreffend

IMeV setzt sich für ein selbstbestimmtes, diskriminierungsfreies Leben aller Menschen ein. Der Verein steht für die Verwirklichung der Menschenrechte und wendet sich gegen jede Art von Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts auf nationaler und internationaler Ebene. Mit eigenen Berichten hat der Verein zu mehreren Staatenberichten bei den UN-Menschenrechtsausschüssen Stellung genommen:

Parallelbericht 2008 zum 6. Staatenbericht Deutschlands zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW): Jede mit dem Geschlecht begründete Unterscheidung, Ausschließung oder Beschränkung verpflichtet die Vertragsstaaten gemäß Artikel 2, „alle geeigneten Maßnahmen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau durch Personen, Organisationen und Unternehmen zu ergreifen“. Dabei fordert CEDAW die Vertragsstaaten in Artikel 5 auf „einen Wandel in den sozialen und kulturellen Verhaltensmustern von Mann und Frau zu bewirken, um so zur Beseitigung von Vorurteilen sowie von herkömmlichen und allen sonstigen auf der Vorstellung von der Unterlegenheit oder Überlegenheit des einen oder anderen Geschlechts oder der stereotypen Rollenverteilung von Mann und Frau beruhenden Praktiken zu gelangen.“

In seinen Abschließenden Bemerkungen fordert der UN-Ausschuss Deutschland auf: (1) in den Dialog mit den intersexuellen Menschen und ihren Vereinen und Verbänden zu treten, (2) dem Ausschuss binnen zwei Jahren einen Sonderbericht abzuliefern. In der Folge initiierte die Bundesregierung einen solchen Dialog und es erfolgte eine Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zum Thema Intersexualität
(www.intersexuelle-menschen.net/pdf/Schattenbericht_CEDAW_2008-Intersexuelle_Menschen_e_V.pdf).

Parallelbericht 2010 zum 5. Staatenbericht Deutschlands zum Internationalen Pakt der Vereinten Nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR): Ein wesentlicher Punkt betraf das Recht auf bestmögliche Gesundheit. In den Abschließenden Bemerkungen des UN-Ausschusses heißt es: Menschen, die sich als intersexuelle Menschen mit einer ihnen eigenen Geschlechtsidentität sehen, dürfen nicht als geistig gestört angesehen werden. Eine intersexuelle Identität ist keine Krankheit!
(www.intersexuelle-menschen.net/pdf/Sozialpakt_deutsche_Fassung_mit_Fallstudien.pdf).

Parallelbericht 2012 mit Unterstützung der Humboldt LAW Clinic zum 5. Staatenbericht Deutschlands zur Anti-Folter-Konvention(CAT): Den Abschließenden Bemerkungen des UN-Ausschusses ist deutlich zu entnehmen, dass an Intersexuellen vorgenommene Genitalverstümmelungen und die Entfernung hormonproduzierender Organe grausame, unmenschliche Behandlungen darstellen. Bis zum heutigen Tage hat die Bundesregierung keine amtliche Übersetzung veröffentlicht. Den Opfern ist trotz Antrag noch keine Wiedergutmachung gewährt worden
www.intersexuelle-menschen.net/pdf/CAT_ParallelReport_Intersex_2011_DE.pdf).

Universal Periodic Review-Verfahren (2013): Die National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention nahm die zweite Überprüfung Deutschlands im Rahmen des periodischen Überprüfungsberichts zum Anlass, auf die Situation intersexuell geborener Kinder hinzuweisen und forderte eine diskriminierungsfreie Anerkennung dieser Kinder.
(www.national-coalition.de/pdf/28_10_2012/UPR_Deutschland_2013_Beitrag_NC.pdf).

Parallelbericht zum 1. Staatenbericht Deutschlands zur UN-Behindertenrechtskonvention (2013): Erstmals wurden die unerfüllten Rechte der intersexuellen Opfer eingefordert. Ein Thema, das zu wenig Beachtung findet, denn die Tatsache, dass die Interessen des Kindes denen der späteren Erwachsenen entsprechen, wird komplett ignoriert
(www.brk-allianz.de/attachments/article/93/beschlossene_fassung_final_endg-logo.pdf).

Kosmetische Genitaloperationen an Kindern und das Entfernen hormonproduzierender Organe sind unmenschliche Behandlungen und müssen staatlich geahndet werden.

Die Durchsetzung geltender Gesetze, die Verfolgung der Übergriffe und die Solidarität sind Kernforderungen des Vereins Intersexuelle Menschen e.V.

 

Mehr Informationen:

www.intersexuelle-menschen.net

Intersexuelle Menschen e.V.

Bundesgeschäftsstelle

1.Vors. Lucie Veith

Postweg 11

21629 Neu Wulmstorf

vorstand@intersexuelle-menschen.net

Tel. 040 700 98 27

Clara Morgen: Mein intersexuelles Kind

weiblich männlich fließend

Ein Kind wird geboren, aber es passt partout nicht in das Schema Hellblau-Rosa oder Junge-Mädchen. Was aufgrund genetischer Konditionen als seltene, aber trotzdem »natürliche« Variante gelten muss, entwickelt sich für das Kind und seine Eltern zu einer schwierigen Kette von Problemen und Entscheidungen, meistens begleitet von Ängsten, Unwissenheit, Vorurteilen und Fehlinformationen. Clara Morgen schreibt über ihr Leben mit ihrem Kind, das zunächst Franz, dann aber nach ärztlichem Gutachten Franzi genannt wird, über Ärztinnen und Ärzte und deren Diagnosen, über die Fragen der Offenheit gegenüber dem Kind und dem Freundes- oder Bekanntenkreis, über die fatalen Probleme und Folgen von Operationen, über Selbstzweifel und schlechtes Gewissen. Aber auch über das Glück, dieses Kind besonders zu lieben und in einer Umgebung aufwachsen zu sehen, die das »Anderssein« akzeptiert und so dem Kind das notwendige Selbstbewusstsein und die Würde gibt, die jedes Kind zum Aufwachsen und Erwachsenwerden braucht. Eine sehr persönliche Erzählung, ergänzt durch Interviews mit anderen Eltern, Ärztinnen und Ärzten, intersexuellen Menschen und Interessengruppen.

Änderung des Personenstandsgesetzes 01.11.2013

Zum 01. November 2013 ist die Änderung des Personenstandsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland rechtskräftig. Seit diesem Datum wird das Geschlecht eines neugeborenen Kindes im Geburtenregister offen gelassen, wenn das Geschlecht dieses Kindes nicht erkennbar ist.

Diese Änderung wird kontrovers diskutiert. Manche feiern die Einführung eines dritten Geschlechts, was so nicht ganz richtig ist, für viele ist es ein erster Schritt, dem noch einiges folgen muss, einzelne Stimmen verurteilen diese Änderung als irrelevant und unnatürlich.

Intersexuelle Menschen e.V. begreift diese Gesetzesänderung als ersten Schritt in die richtige Richtung, wird doch die Existenz von intersexuellen Menschen damit anerkannt. Offen bleibt jedoch, ob diese Kinder sich irgendwann doch für eins der bisher gültigen Geschlechter entscheiden müssen und wann. Können diese Menschen einfach ohne Geschlechtseintrag bleiben? Was ändert sich für die erwachsenen intersexuellen Menschen, die immer noch mit einem falschen Geschlechtseintrag leben müssen? Wie können sich Kinder und Jugendliche entscheiden, bei denen Intersexualität erst später entdeckt wird?

Auch ein Verbot von geschlechtsherstellenden, geschlechtszuweisenden Operationen ist für Intersexuelle Menschen e.V. längst überfällig. Diese Operationen sind irreversibel und bringen mehr Probleme mit sich als sie scheinbar lösen.

Nachfolgend haben wir eine Linkliste einiger Artikel, Reportagen, Videos zusammengestellt, die in der nationalen und Internationalen Presse erschienen sind:

Deutschsprachige Artikel:

NEON

Badische Zeitung

3sat

Deutschlandradio

Zeitjung

ORF

neues deutschland

Tagesspiegel

Tidenet

Cleankids

facharzt.de

taz.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Englischsprachige Artikel:

topnews (USA)

the guardian

world time

pinknews (UK)

channelnewsasia.com

guardianlv.com

medicaldaily.com

dailylife.com.au

washingtontimes.com

Anderssprachige Artikel:

diariodepernambuco.com.br

internazionale.it

kauno.diena.lt

aftenposten.no

sociedad.elpais.com

 

Diese Artikel spiegeln nicht alle die Meinung von Intersexuelle Menschen e.V. wider. Sie sind ein Auszug der öffentlichen Meinung.

PM ADS: Niedersachsen tritt „Koalition gegen Diskriminierung“ bei

Pressemitteilung

Nr. 15/2013 vom 10. Oktober 2013

Absichtserklärung zum Schutz vor Benachteiligungen, Niedersachsen tritt „Koalition gegen Diskriminierung“ bei

Niedersachsen ist der „Koalition gegen Diskriminierung“ beigetreten. Ministerpräsident Stephan Weil und die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, unterzeichneten dazu am Mittwoch in Hannover die Absichtserklärung „Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“. Nach Berlin, Hamburg, Brandenburg, Bremen und Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Thüringen und Baden-Württemberg ist Niedersachsen das neunte Land, das der Koalition beigetreten ist. Ziel der Vereinbarung ist es, gemeinsame Anstrengungen gegen Diskriminierung zu organisieren, lokale Anlauf- und Beratungsstellen zu unterstützen und dafür Sorge zu tragen, dass der Schutz vor Diskriminierung in allen Bereichen politisch verankert wird.

„Niedersachsens Regierung nimmt den Schutz vor Benachteiligungen sehr ernst“, sagte ADS-Leiterin Christine Lüders anlässlich der Unterzeichnung und würdigte die Ankündigung des Ministerpräsidenten, ein eigenes Modellprojekt zu „Anonymisierten Bewerbungsverfahren“ auf den Weg zu bringen. „Das ist ein ganz wichtiges Zeichen gegen den Abbau von Benachteiligungen im Bewerbungsprozess“, sagte ADS-Leiterin Christine Lüders.

Ministerpräsident Weil sagte: „Ich wünsche mir sehr, dass es uns in Niedersachsen, aber auch in ganz Deutschland gelingt, jede Form von Diskriminierung zu überwinden und zu wirklicher gesellschaftlicher Toleranz zu kommen. Das gelingt uns am besten, wenn wir unsere eigenen Vorurteile gegen unsere Mitmenschen selbstkritisch hinterfragen. Nicht weniger wichtig ist es, laut und deutlich zu widersprechen, wenn in unserem Umfeld Menschen diskriminiert werden.“

Die Koalition gegen Diskriminierung ist Teil der „Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“, die Anfang 2011 startete. Im Rahmen dieser Offensive fördert die Antidiskriminierungsstelle des Bundes deutschlandweit Beratungsstellen und verstärkt ihre Öffentlichkeitsarbeit. Die ADS setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen. Die Unterzeichner der „Koalition gegen Diskriminierung“ machen mit ihrer Unterschrift deutlich, dass sie entschieden gegen Diskriminierung vorgehen wollen, Beratungsmöglichkeiten vor Ort verbessern und gemeinsame Strategien gegen Diskriminierung entwickeln wollen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 gegründet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

www.antidiskriminierungsstelle.de.

Pressekontakt:

ADS
Glinkastraße 24
10117 Berlin

Sebastian Bickerich
Kristin Döge
Tel.: 03018 555-1805
Fax: 03018 555-41805

presse@ads.bund.de

„Das fatale Genitale“ Vortrag von Diana Hartmann

19.06.2013 AG Queer Studies Universität Hamburg

Uni Hamburg, Von-Melle-Park 5, Raum 0079

19.06.2013

19:00 Uhr

Das fatale Genitale

Diana Hartmann, KunstfotografIn und Intersex-AktivistIn, Hamburg

Eine zu große Klitoris zu haben ist nicht erlaubt in Deutschland. Mit zu „groß“ wird die Länge bei Neugeborenen bei ca. 1,5 cm angesetzt, ungefähr die Länge einer Fingerkuppe. Ein zu kleiner Penis mit weniger als ca. 2 cm ist ebenfalls nicht erlaubt. Bei einer großen Klitoris hat man/n die Befürchtung, dass sie sich über Gebühr erigieren könnte, und bei einem kleinen Penis befürchtet man/n eine nicht genügende Erektionsfähigkeit.

Solche Genitale werden zum Störfaktor der strikt aufrecht gehaltenen und beruhigenden sozialen Ordnung unserer heutigen Gesellschaft, in der jede/r zu glauben hat, dass unsere Körper nur in zwei Formen zu existieren haben: perfekt männlich oder perfekt weiblich. Unsere Genitale sind jedoch überraschend mehr – und auch uneindeutig.

Tag für Tag werden Kinder in unsere Gesellschaft geboren, die nicht zu dem reflexartigen Ausruf „Es ist ein Mädchen!“ oder „Es ist ein Junge!“ animieren, und noch viele mehr haben Genitalien, die als „maskulinisiert“ oder „feminisiert“ definiert werden, obwohl das Geschlecht des Kindes außer Frage steht. Gemäß der Leitlinie der Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin wird empfohlen, die Genitalien der Kinder im Alter von ca. einem Jahr operativ zu modifizieren, um ihre Körper in eine Richtung zu manipulieren, die dem gesellschaftlichen Konsens der „wahren“ Weiblichkeit oder Männlichkeit entsprechen. Klitorale Chirurgie und Phalloplastie sind brutal und unlogisch und – egal wie man es nennen will – sie sind immer eine Verstümmelung.

Wir werden in diesem Vortrag den misogynen, homofeindlichen und sexualitätszerstörenden Hintergrund der sog. „Genitalen Zwangsoperationen“ an Mädchen, Jungen und Intersexen beleuchten.

 

AG Queer Studies

Ich will sein, wer ich bin!

Sexuelle Vielfalt als wertvolle Verunsicherung

Fachtagung am 13. Juni 2013

Ort: Reinholdinum, Dortmund

Die Fachtagung soll Fachkräfte informieren und qualifizieren hinsichtlich sexueller Vielfalt und Genderfragen die Diskrminierung von Minderheiten zu vermindern.

Der Flyer und das Anmeldeformular sind hier herunterladbar.

Flyer

Anmeldung